Das ehemalige Steinberger Erholungsheim "Haus Waldfrieden"
                          des hannoverschen Friederikenstifts


                                                  "Der Waldfrieden"                                                                  1968

Das Friederikenstift unterhielt bis Anfang der 1970-er Jahre in Steinbergen
das Erholungsheim "Haus Waldfrieden" für seine Mitarbeiter(Ärzte, Pflege-
personal, Pastöre). Nachdem das Friederikenstift 1971 das Erholungsheim auflöste
und das Haus verkaufte, befindet sich dort heute das private Kinderheim
                                   "Jugendhof  Hirschkuppe".

Es handelt sich um ein größeres Areal mit zwei Häusern,
einem kleinen Stallgebäude und einem Wohnhaus auf einer
Fläche von über einem Hektar, mit kleinem Waldstück,
Wiesen und heute auch einem kleinen Fußballplatz, wo
zu Zeiten des Friederikenstifts ein großer Gemüsegarten war.
Das Areal liegt unmittelbar am Waldrand des Wesergebirges.

Das Erholungsheim "Haus Waldfrieden" diente früher gleichzeitig
der hauswirtschaftlichen Ausbildung der Schwesternvorschülerinnen
für die verschiedenen Krankenhäuser des Friederikenstifts
in Hannover, in Hachmühlen bei Bad Münder und damals auch
noch in Verden und Osterrode am Harz(heute beide verkauft!).

Ursprünglich war das "Haus Waldfrieden" eine normale Pension  im
"Luftkurort Steinbergen" gewesen.


Erbauer dieses Pensionshauses war das frömmelnde Ehepaar "Sand-"Möller
(s. Erläuterungen bei "Bremer Berghaus"). Das Haus wurde dem Friederiken-
stift zuerst(ca. 1950) zur Nutzung überlassen und später testamentarisch
geschenkt
.

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                                                                "Haus Waldfrieden"                                            1953

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                          Hinteransicht von "Haus Waldfrieden" zu Zeiten des Friederikenstifts im Sommer 1968

       
Das ehemalige Pensionshaus "Haus Waldfrieden": Einst gehörte es dem steinberger
       Ehepaar Möller("Sandmöller" genannt, da Herr Möller in Steinbergen eine Sandgrube
       besaß).

       Sandmöller verpachtete während des 2. Weltkriegs das Pensionshaus an
       ein "Fräulein" Scherrer. Diese führte das Pensionshaus bis in die Nachkriegsjahre.
       1945 wurden mehrere Flüchtlingsfamilien in dem großen Haus untergebracht.
       Später übertrug das bejahrte frömmelnde kinderlose Eigentümerehepaar Möller das
       gesamte Anwesen an das hannoversche  Friederikenstift, das es als Erholungsheim nutzte
       für seine Angestellten(Ärzte, Pflegepersonal und Pastöre seiner Krankenhäuser; aber
       auch der bekannte damalige Landesbischof Lilje kam mit einer Horde seiner Nachbeter).


        Daneben nutzte das Friederikenstift den "Waldfrieden", wie gesagt, auch zur Ausbildung
       von Schwesternvorschülerinnen seiner Krankenhäuser
, die es in Hannover, Hachmühlen
       Osterrode und Verden besaß. Diese sollten im "Waldfrieden" Hauswirtschaft lernen,
       d.h. sie mußten z. B. Zimmer saubermachen, Fenster putzen, Kartoffeln schälen u.a.

       Es waren immer wenigstens ein halbes Dutzend Schwesternvorschülerinnen in 2-er-Zimmern
       in den Dachgeschoßräumen des "Waldfriedens" untergebracht.

       Dieses Hauswirtschaftliche Praktikum war damals Pflicht für die Ausbildung der Kranken-
       schwestern des Friederikenstifts! Es handelte sich um eine höherqualifizierte Hauswirtschafts-
       ausbildung
!

       Nebenbei wurden die Mädchen sicher auch ganz schön ausgenutzt für die Belange
       des Friederikenstifts: z. B. mußten die Mädchen um 1957 auch Fenster im privaten
       Wohnhaus des auf dem Waldfrieden-Gelände wohnenden pensionierten Pastor Koch
       putzen!
      
       Es herrschte ein strenges Regiment durch die Heimleitung!
       Die Mädchen gingen in ihrer knapp bemessenen Freizeit gerne in das Steinberger Kino;
       dort sahen sie z. B. auch die Aufklärungsfilme von Oswald Kolle("Das Wunder der Liebe").
       In die damals in Steinbergen noch vorhandene Diskothek "Charly Bar" konnten sie
       sich nur heimlich aus dem "Waldfrieden" hinstehlen. Da mußte dann auch schon mal
       eine Leiter organisiert werden, weil der "Waldfrieden" abends abgeschlossen wurde.
       Von den heute jungen Menschen möglichen Freiheiten konnte damals noch keine Rede sein!
      
Die Mädchen(Alter ab 16 Jahre) hatten nicht viel Ausgang, knüpften aber doch manchmal
       Freundschaftsbande mit jungen Männern aus dem Dorf und der Umgebung.
       Männlicher Besuch für die Mädchen im "Waldfrieden" war gänzlich untersagt und
       unmöglich!

       Nach der hauswirtschaftlichen Ausbildung wurden die Schwesternvorschülerinnen in der
       damals bestehenden Heimvolkshochschule des Kloster Loccum in allgemeinbildenden
       Fächern unterrichtet, bevor sie zur krankenpflegerischen Ausbildung zur Krankenschwester
       in die Krankenhäuser des Friederikenstifts kamen.

      
                                  
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                                               Schwesternvorschülerinnen des Friederikenstifts
                                               im Garten von "HausWaldfrieden" mit dem
                                                langjährigen Hausmeister und Gärtner,
                                                            Herrn Modersitzki,
                                                      beim Holzsägen, Januar 1956

       Der "Waldfrieden" besaß einen großen Blumen-, Obst- und Gemüsegarten mit
       Spazierwegen rund um das Grundstück, für den das Friederikenstift seinerzeit
       den netten Herrn Modersitzki aus dem Dorf auch als Gärtner beschäftigte.
       Herr Modersitzki führte die Schwesternvorschülerinnen auch in den Gartenbau ein.

       Das Friederikenstift mit seinem Erholungsheim "Waldfrieden" galt damals als gute
       Ausbildungsstätte, war bekannt und es kamen Schwesternvorschülerinnen auch von
       weit her, sogar aus Bayern und z. B. aus Königswinter am Rhein ab Oktober 1968
       sogar eine "Baroness Ruth vom Drachenfels".

     
      Der Hausmeister Modersitzki mit Schwesternvorschülerinnen in ihrer Freizeit Frühjahr 1969
                                                                                                  (Foto von Frau Elissat)
Die beiden erwachsenen Frauen links und rechts in der Gruppe waren eine Hauswirtschaft-
lerin und eine Hauswirtschaftsmeisterin.

Nebenbei sei bemerkt, daß die Küche des Erholungsheims sich im Souterrain befand.
Hinter dem Gitter auf dem Foto war der Kücheneingang!

       Das Friederikenstift erlaubte Anfang der 1950-er Jahre dem Pastorenehepaar Koch,
       am Walde auf dem Gelände des "Waldfriedens" ein 1-Familienhaus in Erbpacht
       zu errichten, welches das Ehepaar zusammen mit einer Haushälterin bis zum Tode
       bewohnte. Dieses, allerdings innen damals wegen der "sittlichen Trennung" der Kochs
       von ihrer Haushälterin ziemlich verbaute Haus mit Grundstück, wurde seinerzeit(1971)
       vom Verwaltungsdirektor des Friederikenstifts für 110.000 DM zum Kauf angeboten.
       Später nach dem Verkauf des Waldfriedens zog der Erwerber des Waldfriedens und
       Betreiber des Kinderheims "Hirschkuppe" mit seiner Familie in dieses an ihn
       mitverkaufte Haus am Walde und veränderte es baulich nach seinen Vorstellungen.
 
       Zu der Zeit wollte sich nämlich das Friederikenstift vom "Erholungsheim Waldfrieden"
       trennen. Das Friederikenstift hatte damals eine Preisvorstellung von 500.000 DM
       für das gesamte Areal mit allen drei Häusern und dem Grund und Boden.

      
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                       Das ehemalige Pastorenhaus (des pensionierten Pastors Koch) am Walde
                      auf dem Gelände von "Haus Waldfrieden" des Friederikenstifts im Winter 1966/67

            
                     Das pensionierte Pastorenehepaar Koch mit Schwesternvorschülerinnen im Winter 1968/69.
                     Die Dame ganz links war die Heimleiterin "Fräulein" Seifert. (Foto von Frau Elissat, 2. v. re.)
                     Im Hintergrund sieht man das Wohnhaus der Kochs, das nach deren Tode Eigentum des
                     Friederikenstifts wurde.


     Einige Fotos von Schwesternvorschülerinnen der Jahre 1968 - 1969:          


         


         


                              
                           

                   

                   

                   

    
             Schwesternvorschülerinnen im Garten des "Waldfrieden", Sommer 1969                                                                  

                   
 
                   
                     Die strenge Heimleiterin "Fräulein" Seifert im "Waldfrieden" 1969
                                (damals bestanden manche unverheiratete Frauen darauf, auch im
                                vorgeschrittenen  Alter noch als "Fräulein" angeredet zu werden
!)

Die vorstehenden Fotos mit Schwesternvorschülerinnen wurden freundlicherweise
von Frau Monika Elissat, geborene Voß (E-Mail:  monika.elissat@googlemail.com ),
einer ehemaligen Schwesternvorschülerin(von Oktober 1968 bis 1969), zur Verfügung gestellt.



   Der "Jugendhof Hirschkuppe", ehemals "Erholungsheim Waldfrieden", im August 2006


        
                           "Jugendhof Hirschkuppe", Einfahrt und Parkplatz                   28.11.2007

                                                                                                         F. Eix,
Juli 2014